Multiplikatorenfahrt nach Natzweiler/Struthof

Träger: Kreisjugendring Kusel e.V.

Ziele:
Unsere Jugendleiter/-innen begegnen in ihren Gruppen immer wieder fremdenfeindlichen und/oder faschistischen Aussagen. Oft ist es für sie schwierig diesen Aussagen adäquat zu begegnen. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen ist Voraussetzung für  die Entwicklung einer eigenen Haltung zu dem Thema. Dies gelingt am besten  an authentischen Orten. Nach unseren Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigt es sich, dass eine Jugendbildungsmaßnahme für Jugendleiter/-innen in einer KZ-Gedenkstätte eine sehr intensive Erfahrung darstellt, die sie nachhaltig beeinflusst und ihnen Sicherheit in der Argumentation bei ihren Jugendgruppen gibt.

Ziel ist es dabei, den  Teilnehmenden ein Grundlagenwissen über den Nationalsozialismus, sein Lagersystem und die Vorgänge in Konzentrationslagern zu vermitteln und sie damit in die Lage zu versetzen die Geschehnisse zu reflektieren und Zusammenhänge mit ihrer eigenen Lebenswirklichkeit  herstellen zu können. Ein weiterführendes Ziel  ist, das die Einzelnen aus dem Erlebten und der Reflexion sowohl der Geschehnisse, als auch der eigenen Betroffenheit Handlungsschritte für die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen  in ihren Jugendgruppen entwickeln können.  Daher setzt sich die Maßnahme aus drei Teilen zusammen.  (siehe unten)

Handlungskonzept:

1. Vorbereitung der Gruppe im Vorfeld der Fahrt

2. Fahrt vom 15.-17.11.2013 nach Natzweiler/Struthof, dort:

  • Einführung in die Gesellschaftsstruktur der 3. Reichs
  • Einführung in das Lagersystem der Nationalsozialisten
  • Besuch der KZ-Gedenkstätte Natzweiler-Struthof  mit den Bereichen, Lager, Monument, Gaskammer und Museum
  • Reflexion des Gesehenen
  • Reflexion der eigenen Betroffenheit
  • Diskussion der Frage, was hat der Nationalsozialimus mit unserem leben heute zu tun?
  • Erarbeitung von Handlungsschritten und Argumentationslinien auf Nationalsozialistische und Fremdenfeindliche Äußerungen von Jugendlichen und Erwachsenen im Alltag.
  • Auswertung der Gesamtmaßnahme.

3. Nachbereitung des Erlebten mit der Gruppe ca 3-4 Wochen nach der Fahrt.

Hauptzielgruppe: Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Laufzeit: 1.10.13- 31.12.13

Multiplikatorenfahrt nach Natzweiler/Struthof

Eine Fahrt in unsere Vergangenheit. Das war die Multiplikatorenfahrt der zwölf Teilnehmer nach Frankreich ins Konzentrationslager Natzweiler, welches in der Nähe von Straßburg liegt.

Am Freitagmorgen ging es nach einem reichhaltigen Frühstück von Glan-Münchweiler aus los in unsere Jugendherberge nach Neuwiller-lès-Saverne. Nach dem Mittagessen begannen wir das Wochenende mit einer Gesprächsrunde, wo jeder Teilnehmer seine Erwartungen an die Fahrt aufschreiben konnte. Im Anschluss daran schauten wir uns den Film „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ an, welches den Nationalsozialismus aus der Sicht eines achtjährigen Jungen beschreibt, dessen Vater Hauptkommandant im dritten Reich und Leiter eines KZs war. Das grausame Ende des Films führte dazu, dass man sich in der Runde noch austauschte und darüber nachdachte.

Der Samstagmorgen begann mit einem typisch französischen Frühstück. Anschließend ging die eineinhalbstündige Fahrt nach Natzweiler los. Die letzten Kilometer zum KZ ließen schon auf die Lage des Konzentrationslagers deuten. Serpentinartig ging es die Französische Straße 800 Metern hoch. Früher wurde dieser Berg zum Skifahren genutzt. Oben angekommen herrschte ein fast eisiger Wind. Bevor wir durch das Tor ins KZ gingen, verschafften wir uns einen Überblick auf das Lager. Diejenigen von uns, die bereits in Auschwitz waren, fanden das Lager im Vergleich recht klein. 

Mit dicken Jacken gewappnet führten uns die Betreuer durch das Konzentrationslager. Besonders ergreifend war zu allererst der Galgen, der durch Abschrecken der Häftlingen immer zum Appell genutzt wurde, indem ein Häftling daran qualvoll ermordet wurde. Auch der Todesgraben, in dem viele Menschen ohne Grund hineingeschubst wurden und damit erschossen werden konnten, war für viele von uns eine schreckliche Stelle im Lager.

Weitere Orte in dem KZ, wie beispielsweise das Krematorium, in dem der Ofen stand, sorgten für bewegte Blicke in unseren Gesichtern. Der Gedanke, dass dort 22.000 Menschen verbrannt wurden und die dadurch entstandene Hitze zum Heizen des Duschwassers genutzt wurde ist einfach nur unbegreiflich. Danach schauten wir uns noch das Gefängnis an und die Villa des Lagerkommandanten, der neben dem Lager wohnte, an. Zu dem KZ, welches überwiegend als Arbeitslager geführt wurde, gehörten noch verschiedene Stollen, die tief in den Berg reichten.

Darin wurden Flugzeugmotoren für den Krieg von den Deportierten gebaut und repariert. Der Abbau von Granit und das Errichten von neuen Barracken gehörten ebenfalls zum Alltag egal bei welcher Witterung.  Ein paar Hundert Meter abseits des KZ befand sich ein Hotelrestaurant. Der Tanzsaal des Hotels wurde in der Nazizeit zur Gaskammer umgebaut.  Das Restaurant ist heute noch in Betrieb.

Sonntagsmorgens nutzten wir die Zeit das Erlebte von Samstags aufzuarbeiten. In kleinen Gruppen wurden noch Schwerpunkte des KZ erarbeitet und in der Runde vorgestellt.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Multiplikatorenfahrt sehr interessant war und tiefe Eindrücke in unsere Vergangenheit gewährte. Das KZ in Natzweiler ist auf jeden Fall eine Fahrt wert. Da gerade junge Menschen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen, hier einen „sachten“ Einstieg in das Thema bekommen im Vergleich zu dem Vernichtungslager in Ausschwitz.

(Text: Kai Schmeiser, Kreisjugendring Kusel)