Migrationswanderweg

Hauptzielgruppe: Jugendliche aus „bildungsfernen“ Milieus
Laufzeit: 01.03.12 – 31.08.12

Ziel und Inhalt:
Mittels Holzstelen, die mit Informationstafeln ausgestattet sind, wird die Geschichte der Emigration und Immigration in der Region dargestellt. Dabei wird  die historische und aktuelle Situation berücksichtigt. Vorgesehen ist der Fritz-Wunderlich-Wanderweg, der damit zum Migrationsweg erweitert wird, um Toleranz und Vielfalt in der Region zu fördern.

Mit dem Projekt "Migrationswanderweg" werden folgende Zielsetzungen verfolgt:

  • Jugendliche aus bildungsfernen Mileaus/ Jugendhilfe setzten sich  mit den Themenbereiche Migration, Integration, Toleranz und Fremdenfeindlichkeit auseinander
  • Durch die projektorientierte Arbeit wird den Jugendlichen das Thema Migration, Fremdenfeindlichkeit und Toleranz auf ein greifbare Weise präsent
  • Durch den niedrigschwelligen Zugang wird die Sensibilisierung für das Thema Migration erreicht. Öffentliche Wirksamkeit des Projektes: Infobroschüre, Dokumentationsmappe,
  • offizielle Einweihung des Migrationsweges und Informationsveranstaltungen

Handlungskonzept:
Ein/e MitarbeiterIn organisiert verschiedene Arbeitskreise, bestehend aus Jugendlichen der Jugendhilfe, in denen die notwendigen Daten und Fakten zum Thema Migration in der Region gemeinsam erarbeitet werden. Diese werden in Form von Infotafeln festgehalten. Desweiteren wird der/die MitarbeiterIn projektorientiert, gemeinsam mit den Jugendlichen für die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit verantwortlich sein. Es wird eine Dokumappe und eine Infobroschüre zum Migrationswanderweg erstellt, die über den Förderzeitraum hinaus dem Tourismusverband des Landkreises zur Verfügung steht. Es wird eine feierliche Eröffnung des Wanderweges in Kooperation mit verschiedenen politischen und sozialen Institutionen der Region durchgeführt.

 Der/Die MitarbeiterIn bietet  an Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen Informationsveranstaltungen zum Projekt an. Auch hierbei wird die Einbindung der Jugendlichen angestrebt.

Im Rahmen vorhandener Werkstätten des CJD Wolfstein werden die Holzstelen gemeinsam mit Jugendlichen gefertigt, so dass sie für einen langjährigen Einsatz geeignet sind. Auch das Aufstellen und die Wartung wird von ihnen übernommen. Die Plexiglasscheiben zum Schutz der Texte werden in CJD-eigenen Werkstätten bearbeitet und an den Stelen angebracht. In einer offiziellen Übergabe an den Landkreis Kusel wird die öffentliche Wirksamkeit sichergestellt. Die Infotafeln dienen dann als Erweiterung zum Thema Geschichte des Musikantenlands. 

Kusel. Vierzig Infotafeln wurden in den letzten sechs Monaten entlang des Fritz-Wunderlich Wanderweges in den Boden betoniert: 3,6 Kilometer, vom Info-Punkt am Kuseler Kreisel bis zum Kinderspielplatz in Ruthweiler. Am vergangenen Sonntag wurde der Migrationswanderweg vom CJD Jugenddorf Wolfstein offiziell an die Kreisverwaltung und die Bürgerschaft übergeben. Sechzig Interessierte kamen zur Eröffnung.

„Thema des Weges ist die Migrationsgeschichte in der Region Kusel: von den historischen Grundlagen bis heute,“ erklärt Peter Herbst Koordinator des Projektes und meint damit beide Richtungen der Migration: aus der Region und in die Region Kusel. Der Weg teilt sich in fünf thematische Abschnitte und kann in jeglicher Form begangen werden. „Die Tafel bauen nicht aufeinander auf. Wer möchte, kann alle oder auch nur eine lesen,“ rät Herbst.

Anstoß und Förderung erhielt der Migrationsweg vom Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN,“ das seit 2011 bei der Kreisverwaltung angesiedelt ist.

Zehn Jugendliche des CJD-Jugenddorfs Wolfstein haben mitgearbeitet. „Das war anfangs nicht so ganz einfach,“ sagt die 17-jährige Verena. Nach den ersten beiden Diskussionsabenden habe sich die Gruppe aber zusammengefunden. Gemeinsam mit Peter Herbst haben die Jugendlichen recherchiert und ihre eigenen Migrationserfahrungen eingebracht.

Eine gute Sache findet Rotraut Schwarz. Als regelmäßige Joggerin hat sie die Vorgänge entlang des Bahndamms seit Wochen beäugt. „Irgendwann habe ich mal einen jungen Mann gefragt und der hat mir dann erzählt, was die Tafeln sollen,“ sagt sie erfreut. Über die eine oder andere Tafel hat sie vor der Eröffnung schon mal drüber gelesen und sich an ihre eigene Geschichte erinnert.

„Meine Eltern sind nach dem Krieg als Flüchtlinge nach Kusel gekommen,“ erzählt sie. Obwohl ihre Wurzeln woanders liegen, fühle sie sich als Kuselerin. So wie Rotraut Schwarz nach Kusel kam, so sind auch viele Pfälzer und Kuseler in die Welt gezogen: „alle in der Hoffnung auf ein besseres Leben,“ erklärt Peter Herbst. „Noch heute leben etwa 750.000 Pfälzer in Nord- und Südamerika.“

Der Wanderweg solle aber nicht nur informieren. Er solle auch inspirieren und Bewusstsein für das respektvolle und tolerante Miteinander schaffen. Das jedenfalls hofft und wünscht sich Peter Herbst für jeden einzelnen Besucher, der den Weg entlang geht.