Kultur(en)woche für ein soziales Miteinander

Hauptzielgruppe: Jugendliche in strukturschwachen Regionen
Laufzeit: 01.10.12-07.10.12

Ziel und Inhalt:
Die Ziele Toleranz und Vielfalt im Kreis Kusel zu fördern haben in der Kultur(en)woche oberste Priorität. So soll durch ein abwechslungsreiches und anspruchvolles Programm durchgängig  in einer Woche der Horizont der Besucher/innen erweitert und Neugierde für Unbekanntes und Unbekannte gesteigert werden.

Durch die Veranstaltungen sollen Themen rund um ein tolerantes Miteinander angeschnitten werden um die Besucher der Veranstaltungsreihe zu inspirieren neue Sichtweisen gegenüber Migranten/innen  bzw. anderen Kulturen zu entwickeln.  Dazu gehören auch das Problematisieren des Alltags von Migration durch z. B. eine Podiumsdiskussion sowie Integration durch eine Sportveranstaltung, an der sich unterschiedliche Teams zusammenfinden und begegnen.

Das Programm führt zu einem Abbau von Vorurteilen, durch Thematisieren von Problemlagen und durch das Schaffen eines Raums für Begegnung für Menschen unterschiedlicher Ethnie, Bildungsabschlusses und Milieus.

Handlungskonzept:
Die Kultur(en)woche soll abwechslungsreich gestaltet werden. So ist geplant die Buntheit, welche durch Migration entsteht und die Vielfalt von dieser darzustellen. Es wird innerhalb einer Woche jeden Tag ein unterschiedliches Programm stattfinden. Die Bestandteile sind: eine Podiumsdiskussion, ein Konzert, ein Theaterabend, eine Lesung, ein Film und eine Sportveranstaltung.

In der Podiumsdiskussion ist geplant Migranten/innen, welche nach Deutschland eingewandert sind als auch Migranten/innen, welche von Deutschland eingewandert sind auftreten und diskutieren zu lassen. Das Konzert wird durch eine Band durchgeführt werden, welche sich klar zur kulturellen Vielfalt innerhalb des Kreises Kusel positioniert.  Eine Theatergruppe, welche am Gymnasium in Kusel ansässig ist, ist dazu bereit ebenso einen Abend zu gestalten.

Die Lesung ist angedacht mit Texten bzw. Gedichten von berühmten Migranten/inen wie z. B. Else Laske-Schüler durchzuführen, auch hier mit regionalen Akteuren. Der filmische Beitrag soll schließlich von Schlingensief kommen, welcher Migration auf eine sehr kritische Weise beleuchtet. Schließlich führt die Sportveranstaltung dazu, dass sich unterschiedliche Menschen begegnen und im sportlichen Miteinander sich kennenlernen.

Die Reihenfolge der unterschiedlichen Gestaltungen ist noch nicht fest, sie werden noch festgelegt. Die Kultur(en)woche soll in den Herbstferien stattfinden um den Besuchern die Möglichkeit zu geben an möglichst vielen Abenden teilzunehmen.

„Mal zu Wort kommen und über die Erfahrungen mit der Aus- und Einwanderung erzählen, das wünschen sich viele“, berichtet Susanne Munz vom Kuseler Beratungsknoten gegen Rechtsextremismus. Gemeinsam mit der Kontaktstelle Holler und dem Haus der Jugend, gab es vom 01. bis 05. Oktober eine Veranstaltungsreihe zum Thema Migration geben.

Den Auftakt machte die Ausstellung Tatort Rheinland-Pfalz. Die Schautafeln und Filme zu Rechtsextremismus und Integration waren von Montag bis Freitag im Jugendhaus zu sehen sein. Die Ausstellung wurde am Montag um 19 Uhr mit einer Lesung eröffnet.

Am Dienstag folgte ein Ska/Punk Konzert mit den drei Bands: The Prosecution, Anti PeeWee und Shackbird. Bei der Podiumsdiskussion am Mittwoch ging es um Migration in Kusel. Akteure aus dem Arbeitsfeld sprachen mit Migranten. Bericht zur Podiumsdiskussion

Zur gleichen Zeit folgte am Donnerstag der Dokumentarfilm Hotel Sahara. Er erzählt die Geschichte des Ortes Nouhadibou in Mauretanien. Zwischen der Wüste und den endlosen Weiten des Meeres, ist er der Zwischenstopp und Sehnsuchtsort vieler Afrikaner auf der Reise nach Europa. Mit dem Improvisationstheater der Saarbrücker Universität endete die Kulturenwoche am Freitag.

Podiumsdiskussion, 04.10.12

Gut zehn Zuhörer waren am Mittwoch zur Podiumsdiskussion zum Thema Migration in das Kuseler Jugendhaus gekommen. Eine Resonanz, die für Mitorganisatorin Susanne Munz vom CJD-Wolfstein zwar etwas dürftig, aber nicht weiter tragisch war. „Der Personenkreis hier in Kusel ist grundsätzlich schwer zu aktivieren,“ stellt sie nüchtern fest.

Ihnen und ihren Mitstreitern von der Kontaktstelle Holler und dem Jugendhaus sei es in jedem Fall wichtig, solche Veranstaltungen immer wieder an zu bieten und über das Thema Migration zu informieren. Auch wenn nur wenige Bürger kämen, stünden der Sinn und die Wichtigkeit der Veranstaltung außer Frage.

„Für uns war es ein gelungener Abend,“ gibt sie zu verstehen. Das Podium sei gut ausgewählt und anhand der einzelnen Lebensgeschichten habe der Zuhörer gut herausfinden können, wo die Probleme beim ein- oder auswandern lägen.

Auf dem Podium: vier Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Lebensgeschichten.

Myra, geboren in San Fransisco, aufgewachsen in Guatemala, ist über verschiedene Umwege 2006 mit ihrem Mann nach Kusel gekommen. „Die ersten sechs Jahre waren hart,“ gesteht sie. Kontakte knüpfen und eine Arbeit finden: eine schwierige Herausforderung. „Alleine schon die Zuständigkeiten zu verstehen: Verbandsgemeinde oder Kreisverwaltung?“ Seit ihre Kinder da sind, sie beruflich eingebunden ist und sich immer mehr Freundschaften bilden, gefällt ihr Deutschland ganz gut.

Auch Allah aus Lettland konnte sich anfangs schwer ein finden. „Schon das Kaufen einer Busfahrkarte war schwierig,“ sagt sie. In Lettland funktioniere einfach alles anders. Sie hat den Schritt in die deutsche Kultur der Liebe wegen gewagt. Aus der Großstadt Riga stammend, sei ihr Kusel stets zu klein gewesen. „Wenn ich heute auf Besuch nach Riga fahre, fehlen mir das Grün der Natur und die gute Landluft,“ sagt sie schmunzelnd. Trotzdem sie sich in der Region wohl fühle, habe sie nach wie vor Heimweh und ist sich nicht sicher, ob sie ewig hier bleiben möchte. „Der Kuselbach ist halt nicht die Ostsee,“ sagt sie sehnsüchtig.

Den Weg aus Kusel raus, hat Svenja gewagt. Sie hat ein Jahr als Freiwillige in Nigeria und Ghana verbracht und kann sich gut vorstellen, nach Afrika zurück zu kehren. „Aber nur aus freien Stücken,“ gibt sie zu bedenken. Eine Migration, weil man aus politischen oder sozialen Gründen gezwungen ist, stellt sie sich schrecklich vor. Die beste Motivation für eine Aus- oder Einwanderung sei doch die Neugierde. Die sei ihr in Afrika zuhauf entgegengebracht worden. In einer Stadt mit mehreren Tausend Einwohnern, sei sie die einzige Weise gewesen. „Es war eine Erholung, als sich alle an mich gewöhnt hatten und nicht mehr jede meiner Handlungen mit Begeisterung kommentiert wurde,“ sagt sie.Ein Migrant der anderen Sorte ist Peter Herbst. Geboren in Braunschweig, hat es ihn über Berlin, Waldmohr und ein Psychologie Studium in Saarbrücken nach Kusel verschlagen. Die Fremdheiten von Sprache und Kultur kennt er nicht. Dafür weiß auch er, wie schwierig es ist, sich eine neue Heimat zu schaffen. „Aktiv auf Menschen zugehen und mit ihnen sprechen,“ so sein Rezept für den Start in der Fremde. Zurückziehen sei immer der falsche Weg. Für ihn hat Migration viel Positives und bedeute immer auch, sich weiter entwickeln und den eigenen Horizont zu erweitern.