JA zu Migration in Kusel, für ein buntes Miteinander

Träger: CJD Wolfstein- Außenstelle Kusel

Darstellung der Ausgangssituation
Fremdenfeindlichkeit entsteht zu großen Teilen aus Unwissenheit. Viele kennen nicht diejenigen gegen die sich ihre Feindlichkeit richtet. Um Migranten/innen ein Gesicht zu geben und um sie aus der Anonymität herauszuheben wurden durch das CJD Kusel im Jahr 2013 Informationsabende abgehalten, wo Migranten/innen über ihr Herkunftsland und ihre persönliche Geschichte berichten konnten. Diese Abende kamen bei Publikum und bei den Durchführenden so gut an, dass es zu vermehrter Nachfrage einer Fortführung dieses Projekts kam. Um dies zu gewährleisten, sollen im Jahr 2014 wieder Informationsabende durchgeführt werden und zwar in zwei Reihen. Die erste Reihe soll wieder die erste Generation der Migranten/innen vorstellen und eine zweite darauf folgende Reihe die zweite Generation.

Auch kann man durch das Leben von Kultur unterschiedlicher Herkunftsländern Ängste gegenüber Fremden abbauen und für Toleranz gegenüber Vielfalt sorgen. So sollen drei unterschiedliche Arten von Kochkursen im CJD – Kusel abgehalten werden. Einmal von einer Perserin, die persisch mit Interessierten kochen wird, dann ein deutscher Kochkurs für Migranten/innen und anderen Interessierten und ein Kochkurs mit jüdischen Rezepten offen für jedermann. Dass Kochen zur Kultur gehört und sich in den letzten Jahren in breiten Bevölkerungsschichten immer größerer Beliebtheit erfreut, ist eine gute Grundlage um die Bevölkerung in Kusel gegen Fremdenhass stark zu machen.

Rahmenbedingungen des Einzelprojekts
Die Kochkurse sollen nach den Osterferien beginnen und spätestens zu den Weihnachtsferien abgeschlossen sein. Jeder der drei Kochkurse soll sechs Mal durchgeführt werden. Begonnen wird mit dem persischen Kochkurs, darauf folgend der Kochkurs mit deutscher Küche und als letztes der Kochkurs für jüdisches Essen. In den  Ferien findet kein Kochkurs statt.  Gekocht wird in den späten Nachmittagsstunden und Abend. Stattfinden werden sie in den Räumlichkeiten des MGH Kusel. Durchgeführt wird der persische Kochkurs von einer Iranerin, die seit Jahren in Kusel lebt und dem CJD-Kusel verbunden ist. Der deutsche und jüdische Kochkurs wird von Mitarbeiterinnen des MGH durchgeführt, die jahrelange Erfahrung im Kochen haben und sozial engagiert sind.

Informationsabende der 1. Generation von Migranten/innen finden zwischen den Sommer und Herbstferien statt, die der 2. Generation direkt nach den Herbstferien. Alle hier beschriebenen Veranstaltungen finden ein Mal pro Woche statt. Teils haben sich Migranten/innen schon angeboten einen Vortrag zu halten, teils müssen sie noch akquiriert werden.

Da das Projekt aber einen breiten Zuspruch in der Bevölkerung fand wird die Reihe noch erweitert um die Vorträge der zweiten Generation. Dabei kann man davon ausgehen, dass durch die jüngeren Vortragenden es auch zu einem jüngeren Publikum kommen wird und somit das Anliegen Migration noch mehr in das Bewusstsein der Kuseler Bevölkerung tritt. Auch die Informationsabende finden im Mehrgenerationenhaus Kusel statt zeitlicher Rahmen ist wieder pro Vortrag ein bis zwei Stunden.

Vorgehensweise/ Methoden
Es werden durch Netzwerke und Öffentlichkeitsarbeit die Teilnehmenden für die Kochkurse akquiriert. Somit entstehen vor allem für das Anfertigen von Flyern und Plakaten Kosten. Auch soll die Presse über die Kurse informiert werden, so dass ein breites Publikum für die Kurse zu erwarten ist. Die Teilnehmenden sollen vom ersten bis zum sechsten Mal regelmäßig an dem jeweiligen Kochkurs teilnehmen. Für die Teilnehmenden ist der Kurs kostenlos, es entstehen für die Teilnehmenden auch keine Kosten für Lebensmittel.  Für den deutschen Kochkurs sollen gezielt Migranten/innen angesprochen werden und Deutsche.

Die Informationsabende werden wieder von den Migranten/innen selbst gestaltet. Dass dabei Vorgespräche stattfinden, bei welchen die Migranten/innen bei der Vorbereitung ihrer Vorträge unterstützt werden, ist selbstverständlich. Es sollen diesmal zwei Reihen sein, 1. und 2. Generation. Dabei muss auch wieder Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden, Kontakte diesbezüglich bestehen. Auch bei diesem Unterprojekt werden migrationseigene Netzwerke aktiviert, die das CJD Wolfstein, Außenstelle Kusel durch jahrelange Arbeit mit der Klientel der Migranten/innen besitzt.

Persischer Kochkurs

Bereits zum vierten Mal trafen sich am vergangenen Dienstag dreizehn Frauen des Kuseler Kreisverbandes der Landfrauen, um etwas über die Geheimnisse und Kniffe der persischen Küche zu lernen. Mit dabei auch die Kreisvorsitzende Anita Pfeil. „Das Besondere sind die Gewürze. Safran, Kurkuma oder Rosenwasser verwenden wir in unserer heimischen Küche eher selten“, sagt sie begeistert.

Als Susanne Munz vom CJD Wolfstein (Außenstelle Kusel) bei ihr anrief und fragte, ob die Landfrauen nicht Lust hätten, an den 6 Terminen des Kochkurses teil zu nehmen, war sie direkt begeistert. Warum nicht mal etwas anderes ausprobieren. Schließlich müsse man den eigenen Horizont auch mal erweitern und was Neues riskieren, so Pfeil weiter.

Auch die aus dem Iran stammende Masserat Botfargh ist begeistert. Sie freut sich sehr, den Teilnehmerinnen das Essen ihrer Heimat näher bringen zu können. Und so wird an diesem Nachmittag viel über Rezepte, Zutaten und Zubereitungen gesprochen und diskutiert. Auch wenn die Frauen aus unterschiedlichen Kulturen stammen, die Begeisterung und die Leidenschaft für Essen und Kochen mit  einem abschließenden Safranreispudding auf dem Programm.

Auf dem Herd kocht und brutzelt es. Masserat Botfargh erklärt in gebrochenem Deutsch jeden Schritt der Zubereitung. Die Landfrauen aus Kreimbach-Kaulbach, Brücke und Oberweiler im Tal folgen aufmerksam jedem Schritt und stellen interessiert Fragen. Manche sind heute das erste Mal, einige schon zum vierten Mal da. Zwei Termine kommen noch und dann ist geplant, dass Masserath Botfargh zum Gegenbesuch bei anderen Ortsgruppen der Landfrauen kocht und ihr Wissen weiter gibt.

Insgesamt ein kultureller Austausch, der leckerer nicht sein könnte. Der Kochkurs ist Teil des Projektes „JA zu Migration in Kusel, für ein buntes Miteinander“, das sich für den Abbau von Vorurteilen einsetzt und das durch das gemeinsame Kochen die Verständigung zwischen unterschiedlichen Kulturen fördern möchte. Das Projekt wird gefördert vom Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“.

 

Vortragsreihe: Cam Krauss aus Vietnam stellt ihr Land vor, 25.09.14

Kusel. Cam Krauss trägt ihr schönstes Kleid, denn heute ist ein besonderer Tag für die 34jährige aus Kusel. Im Rahmen des Projektes „JA zu Migration in Kusel, für ein buntes Miteinander“ des CJD Wolfstein stellt sie sich und ihre Heimat Vietnam vor.

Gut 25 Zuhörer sind gekommen und Projektleiterin Susanne Munz ist zufrieden. „Bereits im letzten Jahr haben wir so eine Vortragsreihe gemacht. Dank des Bundesprogramms TOLERANZ FÖRDERN –KOMPETENZ STÄREN, können wir diese wiederholen.“

Langsam und in gutem Deutsch beginnt Cam, die in Vietnamesisch Vo Thi My Cam, heißt, mit ihrem Vortrag. Geschichte, Geographie und Ökonomie veranschaulicht sie gut mit Bildern und Grafiken. Spannender allerdings sind die vielen kleinen Geschichten, die sie zum Alltag und dem Leben in Vietnam erzählt. Zum Beispiel das Neujahrsfest. Es wird nach dem Mondkalender zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar gefeiert. Es dauert mehrere Tage und die Vorbereitungen beginnen schon Monate vorher.

„Es ist ein bisschen wie die Herbstmesse“, vergleicht Cam mit strahlenden Augen. Endlich seien mal so richtig viele Menschen auf den Straßen gewesen und hätten fröhlich miteinander gefeiert. Das gäbe es in Vietnam häufiger. Diesen Trubel und die Menschenmassen ihrer Heimatstadt Ho-Chi-Minh-Stadt vermisst sie. Ihre aktuelle Heimat sei nach den vier Jahren in Deutschland, allerdings Kusel.

Sie fühlt sich wohl im Musikantenland, hat Freunde gefunden und vor drei Wochen erfolgreich den Autoführerschein gemacht. Und zur Messe: da ist sie in braunen Lederhosen und einer rot-weißen Bluse gemeinsam mit ihrem Mann Richard gegangen.