Gedenkstättenfahrt "Toleranz und Frieden statt Rassismus und Gewalt"

„Die Jugend von heute ist nicht verantwortlich für das, was in der Vergangenheit geschehen ist, aber sie ist verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus gemacht wird.“
(Richard von Weizsäcker)

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Ausgehend von diesen Gedanken führt der Fachbereich evangelische Religion des Gymnasiums Kusel seit  11 Jahren unter der Leitung des Gedenkstättenbeauftragten Diakon Walter Lukasczyk, der Schulpfarrerin Bettina Lukasczyk und dem Schulpfarrer Ulrich Reh in Kooperation mit der Evangelischen Jugendzentrale im Dekanat Kusel Gedenkstättenfahrten durch.

Wie im November eines jeden Jahres fand auch 2011 diese Fahrt statt, diesmal finanziell unterstützt durch das Förderprogramm des Bundes „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“.

58 SchülerInnen der 10. Jahrgangsstufe nahmen an dieser viertägigen Studienfahrt nach Nürnberg, München und Dachau teil, nachdem sie im evangelischen Religionsunterricht intensiv inhaltlich und emotional darauf vorbereitet wurden. 

Programm der 4-tägigen Studienfahrt:

  • Am ersten Tag geht es nach Nürnberg, um dort auf dem Reichsparteitagsgelände den „in Stein“ manifestierten Größenwahn des Nationalsozialismus kennen zu lernen. Der Besuch im „Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“ schließt den ersten Tag ab.
  • Der darauffolgende Tag führt in München über den Perlacher Friedhof, auf dem sich die Gräber der Mitglieder der Widerstandsbewegung  „Weiße Rose“ befinden, der Universität als Wirkungsstätte der Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl, und zu wichtigen Orten der nationalsozialistischen Bewegung in der Landeshauptstadt.
  • Einen Höhepunkt stellt am dritten Tag die Begegnung mit dem Zeitzeugen, Herrn Joelsen, dar. Anschließend wird die  KZ Gedenkstätte in Dachau besucht. Im Mittelpunkt des Rundgangs stehen Berichte von Überlebenden über ihre leidvolle Zeit in diesem Lager.
  • Am Abreisetag wird zunächst der Schießplatz in Hebertshausen  aufgesucht, um den mehr als 4000 russischen Kriegsgefangen zu gedenken, die hier ermordet wurden. Danach geht es zum Friedhof auf dem Leitenberg, dem zentralen Friedhof der im KZ zu Tode gekommenen Häftlinge.

Die Gedenkstättenfahrten zeichnen sich neben diesem dichten Programm durch eine intensive Vorbereitung und eine während der Fahrt täglich stattfindende intensive Aufarbeitung aus.

(Text: Ulrich Reh und Bettina Lukasczyk)

Wie die SchülerInnen diese Fahrt und die vielfältigen Begegnungen mit dem Nationalsozialismus erleben, zeigen ausgewählte Rückmeldungen:

Angst, Trauer, Gedenken, unbeschreiblich, unheimlich, grauenvoll, angsteinflößend, Kälte, Tod, Dunkelheit, Gerüche, Warum? Warum wurden Menschen nicht wahrgenommen und akzeptiert?

Als ich in dem Konzentrationslager war, habe ich zuerst nicht viel gespürt. Nur Trauer, die ich noch nicht richtig einordnen konnte. Anfangs konnte ich mir das alles nicht vorstellen, dass da wo ich gerade stand, tausende von Menschen ihr Leben lassen mussten...

Schließlich habe ich immer mehr gesehen und gehört, mehr verstanden, konnte die Situationen etwas besser nachempfinden als vorher. Ich habe erzählt bekommen, mit welchen Mitteln man die Häftlinge bestraft hat, wie das Leben im KZ aussah.

Sehr schrecklich fand ich Bilder, worauf man die verhungerten Menschen sah. Wie konnte man deren Körper zerstören, sie bis auf die letzte Kraft hin arbeiten lassen? Man nahm ihnen jegliche Privatsphäre, die Familien riss man auseinander, man war allein mit seinen Problemen, obwohl es Tausende andere Häftlinge um einen herum gab und diese dasselbe Schicksal erlebten. Man schloss sie von der Außenwelt ab…

Am meisten haben mich die Bilder der Leichenhaufen bewegt und zum Nachdenken gebracht.

Als wir in dem Raum standen, habe ich zwar keinen vermoderten Geruch oder sonst etwas in der Nase gespürt, aber mich hat es einfach angeekelt und ich wollte schnellstmöglich wieder an die frische Luft. Ich fand es abscheulich, dort zu stehen wo vor Jahren Tausende Leichen gelegen haben. Igitt! Wie konnte man diese so rücksichtslos auf einen Haufen schmeißen, als wäre es Kuhmist? Ich kann die Bilder, die ich gerade im Kopf habe nicht richtig in Worte fassen, sie machen mich nachdenklich, traurig und ich bekomme Angst, wenn ich darüber nachdenke.

Es ist gut, zu erfahren, was damals geschehen ist, jetzt sind die Bilder in meinem Kopf, ich habe alles mit eigenen Augen gesehen und werde es nicht vergessen. Ich verstehe jetzt auch etwas besser, wie man sich als Häftling fühlen musste. Ich weiß nicht, ob das wirklich so war wie ich mir das vorstelle, ich werde es auch nie richtig nachvollziehen können, ich will es auch gar nicht, aber es ist auf jeden Fall mehr von der ganzen Sache hängengeblieben, als wenn ich es alles im Unterricht behandeln hätte müssen.

Ich hoffe, dass so etwas nie wieder geschieht und dass die Menschen nun in Frieden leben können. Es kommen außerdem viele Fragen in mir auf, jedoch kann diese wahrscheinlich keiner so richtig beantworten. Ich verstehe das alles nicht
(Text: Lana Habermann)

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Der Zeitzeuge hat seine Geschichte wirklich sehr anschaulich beschrieben. Er hat es aus der Sicht eines Jugendlichen in unserem Alter geschildert. Man konnte wirklich mitfühlen, was er damals fühlte und man konnte seinen Schmerz sehr gut verstehen. Es ist mir sehr nah gegangen und man war wie gefesselt von seinen Erzählungen. Doch noch besser verstehen und realisieren konnte ich es, als ich die Bilder im KZ gesehen habe und abends die Dokumentation über das KZ Dachau. Vor dem Tor zum KZ war ich noch sehr aufgedreht.

Ich habe zwar schon gewusst, was sich dahinter befindet, aber das war ja nichts wirklich Neues für mich. Man hat es ja schon immer erzählt bekommen. Doch die Größe der gesamten Anlage war beeindruckend. Ich wurde still. Ich machte mir auch Gedanken darüber, was die Leute damals dachten, als sie hinein geführt wurden. 

Wir gingen nun die gleichen Wege, die sie damals gingen und es war irgendwie bedrückend. Die Geschichten, die nun zu den einzelnen Bauten erzählt wurden, machten mich nachdenklich. Es war ein komisches Gefühl, nun mal wirklich die vielen Baracken zu sehen und davor zu stehen. Doch am erschreckendsten waren für mich die Brennöfen mit den Liegen, die halb heraus geschoben waren.

Als wir in der Gaskammer waren, wollte ich eigentlich lieber wieder raus. Es war unheimlich. Die Versuche mit den Menschen, die geschildert wurden, fand ich einfach nur abscheulich. Wie kann ein Mensch so etwas überhaupt machen. Doch am längsten beschäftigte mich ein Bild, das ich im Museum gesehen habe. Man sah einen Mann, der sich mit einem kurzen Seil am Waschbecken erhängt hatte. Das Becken war sehr niedrig. Seine Arme hingen im Becken und seine Beide berührten den Boden. Er muss sich komplett hängen gelassen haben, um zu sterben. Mir persönlich wurde mit Hilfe dieses Bildes klar, wie verzweifelt diese Menschen damals waren. All diese Eindrücke und Bilder helfen mir wirklich, die Zeit besser zu verstehen. Man geht einfach ernster an das Thema ran. 
(Text: Sina Bock)

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In den letzten Tagen haben wir viel gesehen. Doch am meisten hat mich das KZ Dachau berührt.  Es war ein komisches Gefühl, auf dem Gelände zu stehen, wo früher tausende von Menschen gefangen gehalten wurden  und gefoltert worden sind. Ich selbst fühlte mich schon fast wie eine Gefangene, als ich durch das Tor trat. Im Bunker angekommen, fühlte ich mich sehr unwohl und eingeengt.

Die vielen Türen der einzelnen Zellen und die Kälte, die im Bunker herrschte, jagten mir ein wenig Angst ein. Auch in den Baracken fühlte ich mich nicht wohl. Als ich gesehen habe, wie viele Menschen in einem Bett schlafen mussten, war ich schockiert. Nach einer kurzen Zeit auf dem Appellplatz begann ich leicht zu frieren, trotz warmer Kleidung.

Wie muss das für die Menschen früher gewesen sein, sich stundenlang auf diesem Platz während der Kälte oder der Nässe aufzuhalten? Ich stelle es mir grausam vor. Doch am meisten hat mich das Krematorium berührt. Es ist einfach grausam vor diesem Gebäude zu stehen und zu wissen, dass an diesem Ort viele Menschen verbrannt worden sind.

Auch die Todeskammern des Krematoriums jagten mir Angst ein, als ich sah, wie die Menschen aufeinander gehäuft wurden wie ein Misthaufen. Ich kann es einfach nicht verstehen, wie man seine Mitmenschen so schrecklich foltern konnte. Es ist schrecklich, wenn man bedenkt, dass diese ganzen grausamen Geschehnisse noch vor gar nicht allzu langer Zeit passiert sind.
(Text: Celine Müller)

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Ich fand den Ausflug nach München sehr interessant, weil wir dort erfahren haben, dass es mutige Leute gab, die sich gegen den Nationalsozialismus gestellt haben und sich nicht davon haben manipulieren lassen. Aber noch viel wichtiger war für mich die Fahrt ins KZ Dachau.

Dort wurde uns nämlich gesagt, wie weit die Nazis mit ihren kranken Vorstellungen gingen. In einem KZ sieht man erst richtig, zu welcher Grausamkeit die Nazis fähig waren. An das müssen wir uns immer wieder erinnern, damit so etwas nie wieder passiert.

Das hat auch schon der Zeitzeuge Walter Joelsen gesagt. Ich finde es wichtig, dass es Leute wie ihn gibt, die ihre Erinnerungen an nächste Generationen weiter geben.
(Text: Christopher Barz)

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Ich fand die Stimmung im KZ verdammt beklemmend und sehr traurig. Ich kann mir zwar einfach nicht so richtig vorstellen, wie es dort damals zuging - das geht über mein Vorstellungsvermögen hinaus -,doch allein der Versuch, mir all das, was damals geschah, vorzustellen, machte mich unheimlich traurig, und ich kämpfte manchmal echt mit den Tränen.

Wenn ich daran denke, wie es den Gefangenen damals ergangen sein muss, stelle ich fest, dass die, die überlebten, einen unglaublichen Lebenswillen hatten. Ich frage mich sogar, ob ich diesen Willen auch gehabt hätte. Ich weiß es nicht.

Ich denke, es gibt keine Worte, mit dem man das, was geschah, und das, was man dabei empfindet, beschreiben kann. Es war einfach schrecklich und so verdammt grausam.

Trotzdem bin ich froh, dass ich die Chance hatte, das alles zu sehen, um wenigstens einen Einblick zu haben in das, was damals geschah – und ich hoffe, dass so etwas nie wieder passieren kann. Es war grausam. Durch diese Atmosphäre und das Erschreckende wurde mir auch total kalt, so kalt, wie die Atmosphäre auch war.

Durch diese ganzen Eindrücke wurde mir auch klar, wie wenig diese Menschen damals für Wert gehalten wurden und wie willkürlich sie ohne Grund getötet werden konnten. Diese Menschen hatten ihre Individualität verloren, das finde ich ziemlich schrecklich. Ihnen wurden einfach alle Rechte entzogen.

Es ist einfach unvorstellbar. (Text: Fabienne Straß)