Frauenkabarett: Kann denn Jubeln Sünde sein

Frauenkabarett "Kann den Jubeln Sünde sein", 15.11.13

Das Duo Generationenkomplott befasst sich in ehemaliger Realschule Kusel mit den Frauen unter Hitler„Kann den Jubeln Sünde sein?“ Das fragte das Duo Generationenkomplott am Freitagabend in der ehemaligen Realschule Kusel. Geistreich, aber auch humorvoll beschäftigten die Schauspielerinnen mit Frauen unter Hitler.Gisela Elisabeth Marx, 1938 geboren, und Dorrit Bauerecker, Jahrgang 1973, betreten die Bühne.

Als Emma Gräfin von Drögen und Ema Lieb moderieren sie im Jahr 1936 an Volkssender und Akkordeon eine Radiosendung. Erstarrt, passiv, Puppen gleich wirken die Charaktere. Sie sprechen von natürlicher Gleichheit, begleitet werden sie von Marschmusik.Das Bild wechselt: Heute planen Klara, eine Zeitzeugin und Paula, eine junge, das Verständnis teilweise verweigernde Frau, eine Sendung zur Hitlerzeit.

Der Wechsel in verschiedene Rollen und Zeiten ist der Rahmen für verschiedene Möglichkeiten: für verschiedene Typen der Frau unter Hitler und die Gründe ihres Verhaltens. Der puppenhaft dargestellten Frau wird das liebliche Bild von Mädchen Klärchen entgegengesetzt. Der stolzen, militanten Frau im folgenden Bild – durch die Vollblutmusikerin Bauerecker musikalisch unterstützt – folgt ein Schwur auf die Demokratie heute.

In der Pause diskutierten die zahlreichen, vorwiegend weiblichen Besucher – eingeladen hatte die Initiative Mädchenarbeit – über das, was sie gesehen und gehört hatten. Schallendes Lachen war nicht zu vernehmen, aber kein Gesicht wirkte betrübt. Nein, der Humor wirkte: Auf eine besondere Art fühlten sich die Gäste sehr gut unterhalten, erstaunt über die absurden und damit lustigen Momente des Stücks – ganz zu schweigen von den vielen Denkimpulsen.

Ingrid Nitsch-Schulz war sich mit anderen einig: Das Gesehene ist humorvoll, die gezeigten Frauen-Gesichter plausibel, hervorragend recherchiert und noch besser dargestellt. Vom Kuseler Gymnasium waren Anna Kirsch, Reca Ohliger und Michelle Theiß gekommen. Sie sagten, auch wenn man sich wehre, könne man doch ein Stück weit mitempfinden, warum Frauen Hitler zujubelten. Der Stolz, das Tanzen, die Gemeinschaft, die klaren Vorstellungen hätten sicher viele begeistert. „Das Kind darf auf dem Töpfchen nicht spielen, nein, es hat seine Pflicht stets treu zu erfüllen.“

Das erklärt der nächste Typ Frau am Anfang des zweiten Teils – eine lebendige, brave, aber auch geblendete Frau. Das wirkt absurd, und das Spiel liefert zugleich mögliche Begründungen für die grotesk wirkende Geschichte. Komplett wurde das Mosaik der Frauen unter Hitler durch die exzentrisch-elegante Variante, die an der Heimatfront ihre Aufgabe darin gefunden hat, mit ihrem Sex Hoffnungen und Begierden an der kämpfenden Front zu erhalten.

Die Gruppe Generationenkomplott hatte ein Mosaik der Frauen unter Hitler erarbeitet. Humor war der Schlüssel, um dem Thema etwas an Schwere zu nehmen und Verständnis für eine Zeit zu wecken, die aus der heutigen Sicht nur schwer zu verstehen ist. Die Gäste mussten nicht laut lachen, waren aber amüsiert und gleichzeitig tief bewegt.

(rma für die Rheinpfalz: Westricher Rundschau, 19.11.13)http://www.jugend-rlp.de/index.php?id=5303#