Durch Toleranz zu gelebter Integration

Träger: Förderverein Realschule plus Kusel

Darstellung der Ausgangssituation
Insbesondere für die vier 7. Klassen der Realschule plus Kusel ist nach Abschluss der Orientierungsstufe eine Neuorientierung notwendig hinsichtlich:

  • neuer Klassen-/Sozialstrukturen am neuen Schulstandort
  • Fragen der Persönlichkeitsentwicklung und Gruppenprozesse mit Schwerpunkten; Nähe-Distanz, Toleranz, Konfliktregelung, Stärken-Schwächen, Kooperation u. soziales Verhalten, reflektierte Haltung bzgl. sozialer Integration und Toleranz
  • Zielvorstellungen und Zukunftsorientierung im Hinblick auf Wahrnehmung/ Einübung/Übernahme von Verantwortung in einem reflektierten demokratischen Prozess (einzeln und im Team)

Rahmenbedingungen des Einzelprojekts
Für die 7. Klassen (vier 7te Klassen mit insgesamt  Schülern) ist für 2014 in Abstimmung mit den Klassenteams unter Einbindung vorliegender Arbeits- und Unterrichtspläne jeweils  nach einer Koordinationsphase ein 4-Tage-Trainings-Block mit 20 Stunden für die direkte Arbeit mit den Schülern vorgesehen.
Vorbesprechungen, Durchführung, Nachbereitung sowie Evaluation finden in enger Kooperation der Klassenleitungen mit den beiden Referenten statt. Diese sind ausgebildete Sozialpädagogen, zertifizierte Antigewalt- und Deeskalationstrainer und Mediatoren.

Für die intensive Rahmenarbeit sind pro 4-Tage-Block 10 Stunden veranschlagt.
Darüber hinaus werden Klassenleitungen Multiplikatorenfunktion in Besprechungen mit Klassenteams und Teilkonferenzen wahrnehmen und die Ergebnisse in die Elternarbeit einfließen lassen (Elternabend).

Um eine nachhaltige positive Wirkung auf den Schulalltag zu gewährleisten, wird außerdem eine eintägige Lehrerfortbildung angeboten.   Vorgehensweise/ MethodenIm Rahmen des Trainings sozialer Kompetenzen (Grundlage: Konfrontative Pädagogik), Anti - Gewalt – Training, YourCoolControl kommen zum Einsatz:- erlebnispädagogischer Elemente - Körperbetonte sportliche Spiele- Partnerinterviews, Konfrontationsübungen- Übungen gegen Anmache und Mobbing- Gruppengespräche, Rollenspiele  - Mediationstechniken und Deeskalationsstrategien- Traum- und Phantasiereisen, Entspannungsübungen- Warming-Up - Motivationstechniken- Vertrauensübungen - Kultivierung von Reflexions- und Feedbackmethoden - Kooperations- und Interaktionsübungen

Sinne schärfen und Toleranz erleben, Juli 2014

Altenglan. Ein Klassenzimmer der Realschule Plus in Altenglan und von Unterricht keine Spur. Die 21 Schüler der 9B hüpfen wild durch den Raum und haben Spaß. Der Auftrag: sie sollen erraten, was auf den Zetteln steht, die ihnen die beiden Pädagogen Thorsten Ellmer und Erwin Rees auf die Stirn geklebt haben. Was wie ein unterhaltsames Gesellschaftsspiel aussieht, ist eine wohl überlegte Arbeitseinheit des Projektes „Schärfe deine Sinne – erlebe Toleranz“.

Auf den Zetteln stehen Adjektive wie unsichtbar, überheblich oder Personengruppen wie Ausländer und Behinderter. Die Schüler sollen sich so behandeln, wie es auf den Zetteln steht. „Die Jugendlichen erfahren, wie es sich anfühlt, nicht beachtet oder ausgegrenzt zu werden“, erklärt Thorsten Ellmer den Sinn des Spiels. Ellmer leitet seit einem Jahr den Beratungsknoten Nordwestpfalz, eine Anlaufstelle gegen Rechtsextremismus, die informiert, berät und unterstützt. Gemeinsam mit dem Diplom Sozialarbeiter und Streetworker der AWO Südwest, Erwin Rees begleitet er die Schüler der 9B bei den vier Terminen des Sozialkompetenztrainings.

Mit dabei auch Mark Woll aus Erdebach. Bei seinem Zettel wird viel gelacht. Mark, der nicht lesen kann, was geschrieben steht, fühlt sich unwohl. Die anderen mustern ihn von oben bis unten und kichern verlegen. „Ich habe mich sehr unwohl gefühlt, weil die anderen so doof gemacht haben und ich ja nicht wusste, was los ist“, erklärt er in der anschließenden Besprechung in der Großgruppe. Als er den Zettel schließlich abnimmt, und das Wort Ausländer ließt, wird er nachdenklich.

„Zu jeder Aufgabe, die die Gruppe machen muss, haben wir eine ausführliche Feedbackrunde.“ Nichts, so Ellmer weiter, soll unreflektiert bleiben. Es sei wichtig, dass die Jugendlichen an ihre persönlichen Grenzen kämen, denn nur so könnten sie ihre individuellen und sozialen Kompetenzen erweitern und lernen, sich in Konfliktsituationen deeskalierend und angemessen zu verhalten. Ellmer und Rees gehen davon aus, dass die Schüler das im Projekt Erlernte auf ihren Schulalltag übertragen und dass das Zusammensein im Klassenverbund damit ein Stück weit kooperativer und besser wird.

„Und natürlich wollen wir mit dem Projekt auch über rechtsextreme Themen aufklären. Dafür werden wir vom Bundeprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ gefördert“, so Rees weiter.

Eine gute und wichtige Sache, findet auch Klassenlehrerin Andrea Kissinger. „Nach Möglichkeit sollen alle unserer Abschlussklassen das Training machen.“ Sie begleitet die Klasse bei allen Terminen und war etwas verwundert, wie kritisch die Schüler doch mit sich und ihrer Klassengemeinschaft umgehen. Ein Projekt, von dem alle profitieren und gewinnen, Lehrer ebenso wie Schüler.