Demokratie erfahren und erleben - Studienfahrt nach Berlin

Träger: Förderverein Jakob Muth Schule

Ziele:
Als erstes Ziel dieses Projektes muss es sein die Inhalte in einfacher Sprache zu kommunizieren. Nur so werden die TeilnehmerInnen etwas von den Inhalten verstehen.

Die Jugendlichen haben nach der Studienfahrt zahlreiche Informationen über das Verständnis von Demokratie. Eine demokratische Grundhaltung der Teilnehmenden wurde gestärkt.

  • Es fand eine kritische Auseinandersetzung mit dem staatlichen Unrechtsregime des Nationalsozialismus  und des SED - Staates DDR statt. So wird das KZ Plötzensee besucht, sowie das Stasigefängnis in Hohenschönhausen.
  • Das Demokratieverständnis der Jugendlichen wird gestärkt.
  • Es kommt zu einer Sensibilisierung zum Thema Menschenrechte.
  • Es wurden authentische Orte der Geschichte aufgesucht, an denen eine existentielle Beteiligung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer möglich wurde.
  • Ermöglicht wurde eine kritische Gegenwartsreflexion gesellschaftlicher Phänomene, wie Gewalt, Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.
  • Die TN entwickelten einen eigenen Standpunk

Handlungskonzept:
Die Jugendlichen der Ober/Werkstufe der Jakob Muth Schule haben die Möglichkeit sich für dieses Projekt anzumelden.

Das Projket wird von Mitarbeiter/-innen des Jugendreferates im Kirchenkreis Obere Nahe und MitarbeiterInnen der Jakob Muth Schule durchgeführt.

  • Es findet ein Workshop mit Eltern, Schülern und Lehrern zum Thema Symbole der rechten Szene statt, sowie ein WS zum Thema rechte Musik.
  • Es findet ein Vorbereitungstreffen zur Fahrt nach Berlin mit den Teilnehmer/-innen und Eltern statt.
  • Begehung und Führung des Reichstages,  Gespräch H. Herzog MdB
  • Besuch des KZ Flossenhbrück.
  • Beschäftigung mit der DDR/Stasi - Geschichte (Stasi Gefängnis)/ evtl. Zeitzeuge.
  • Besuch der neuen Synagoge in Berlin
  • Stadtführung auf den Spuren des rechten Terrors
  • Beschäftigung mit den Menschenrechten und dem Grundgesetz
  • Aufarbeitung der Tageseindrücke, Reflexion und Feedback

Durch den Besuch von authentischen Orten deutscher Geschichte wird diese lebendig und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck bei den teilnehmenden geistig behinderten Jugendlichen. Neben kognitiver Wissensvermittlung ist Platz für die Auseinandersetzung mit emotionalen Eindrücken.

Hauptzielgruppe: Jugendliche in strukturschwachen Regionen

Laufzeit:   01.03.13 – 31.12.13

 

Studienfahrt: Demokratie erleben und erfahren, 03.-07.06.13

Berlin. Der gelbe Wagen der Berliner U-Bahn schaukelt wild hin und her. Im Inneren ist es voll, heiß und stickig. Für die zehn Schüler der Jakob Muth Schule mit dem Schwerpunkt ganzheitliche Entwicklung ist die Fahrt vom Ostbahnhof zu den Hackeschen Höfen trotzdem ein Highlight. Eine Woche ist die Gruppe mit drei Lehrkräften, einem Mitarbeiter des Jugendreferates im Kirchenkreis Obere Nahe und einem FSJ-ler der Schule unterwegs auf den Spuren der deutschen Demokratie – heute und wie sie bis 1945 ausgesehen hat.

Ungewöhnlich, weil die fünfzehn bis neunzehn jährigen Schüler in ihrer geistigen Entwicklung stark verzögert sind und vieles, was für normale Jugendliche selbstverständlich ist, einfach nicht geht. „Es sind eigentlich ganz normale Jugendliche, die etwas mehr Aufmerksamkeit und Betreuung brauchen“, erklärt Matthias Lofi, Erzieher und Lehrer an der Jakob Muth Schule. Das fange mit dem Überqueren der Straße und der Orientierung in der Stadt an und höre mit der Verwaltung des Taschengeldes und der Organisation von etwas Essbarem auf.

„Bei normalen Jugendlichen können wir sagen: ihr könnt jetzt mal in Kleingruppen in die Stadt gehen, bei unseren geht das nicht“, so Lofi weiter. Die Woche ist eine spannende und einmalige Sache, für die Jugendlichen wie für die Pädagogen. Während die U-Bahn weiter hin und her schaukelt, umklammert Steve Hörner mit einer Hand die Haltestande über seinem Kopf. Seine Augen wandern hin und her. Jeder Mitfahrende, der ein oder aussteigt wird neugierig begutachtet.

„So viele Leute fahren in Kusel nicht mit dem Zug“, entfährt es ihm verwundert. Überhaupt hat er noch nie so viele Autos und Menschen auf einem Haufen gesehen. Er freut sich, dass er das alles erleben darf und auch wenn seine geistige Entwicklung nicht altersgemäß ist, sein Interesse und seine Neugier für die Stadt und das Thema sind riesig groß. „Wer weiß, wann ich noch mal so eine Chance bekomme“, sagt er nachdenklich. Nach dreißig Minuten Weg erreicht die Gruppe die Anne-Frank Ausstellung im Anne-Frank Zentrum, wo mit Fotos, Dokumente und Interviews die Leidens- und Lebensgeschichte des niederländischen Mädchens erzählt wird.

„Die Anne-Frank Ausstellung mit ihrer Übersichtlichkeit und ihrer Einfachheit schien uns geeignet, unsere Schülern etwas über die Zeit des Nationalsozialismus zu erzählen“, erläutert Hans Harth, Lehrer und Rektor der Jakob-Muth-Schule. Geduldig und in einer sehr einfachen Sprache, versucht er zu vermitteln, warum Anne Frank verfolgt wurde und „Die Anne war so alt wie ihr. Stellt euch mal vor, ihr müsstet euch zwei Jahre hinterm Bücherregal verstecken“, appelliert Harth. Steve und die anderen schauen betroffen.

Im Bildungsplan der Förderschule ist das Thema Nationalsozialismus nicht vorgesehen. Keiner der Schüler kannte vorab den Namen Adolf Hitler oder wusste, was er getan hat. Hans Harth und seinen Kollegen war es dennoch wichtig, das Thema an zu gehen. Mit fachlicher Unterstützung durch das Jugendreferat des Kirchenkreises Obere Nahe und dem finanziellen Zuschuss durch das Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ konnte die Fahrt angegangen werden.

Nach der Ausstellung sind alle erschöpft. Jetzt erst mal einen Pizza zur Stärkung und dann weiter zu dem Programmpunkt, auf den sich die Jugendlichen schon den ganzen Tag freut: das Berliner Olympiastadion. Denn wie normale Kuseler Jugendliche auch, sind Steven und seine Mitschüler große Fußballfans und da ist das Stadion ein absolutes Muss.