Konzert und Lesung mit Zeitzeugin Esther Bejarano, Förderverein Gymnasium Kusel

Von Susanne Cahn (Rheinpfalz/Westricher Rundschau)
 
Eine 90-Jährige, die mit einer Rap-Band auftritt, und eine Botschaft, die weiterhin aktuell ist: Die „La Vita Continua Tour“ mit Esther Bejarano und der Kölner Gruppe Microphone Mafia macht am Donnerstag, 21. Mai, Station in Kusel. Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Nazi-Deutschland konnten die Realschule plus und das Gymnasium in Kusel die rappende Auschwitz-Überlebende für eine musikalische Lesung in der Fritz-Wunderlich-Halle gewinnen.

Eine hochbetagte Dame, die sich mit Hip Hop und Rap auskennt? Das allein ist schon höchst bemerkenswert. Noch beachtlicher ist jedoch, dass sie mit auf der Bühne steht und dort kräftig mitmischt: Esther Bejarano. Auch 70 Jahre nach der Befreiung Deutschlands von der Nazi-Herrschaft im Jahr 1945 spielt Musik im Leben der Jüdin eine zentrale Rolle. Hat die Musik ihr als Mitglied des Mädchenorchesters in Auschwitz einst das Leben gerettet, soll sie nun die Botschaft gegen jegliche Intoleranz und Rassismus überbringen.„Aufklärung ist immer noch notwendig“, weiß der Geschichtslehrer an der Kuseler Realschule plus, Werner Dein. Der Pädagoge setzt sich dafür ein, die Erinnerung wach zu halten.

So organisiert er Schülerfahrten zu Gedenkstätten und lädt – solange es sie noch gibt – Zeitzeugen ein. Zum 70. Jahrestag des Kriegsendes hatte er eine ganz besondere Idee: „Esther Bejarano und die Microphone Mafia, das wäre doch etwas für uns“, dachte er sich. Schulleiterin Nina Dahlke zog mit, und Dein knüpfte erfolgreich Kontakt zur Kölner „Mafia“.

Mitveranstaltet wird das Konzert vom Kuseler Gymnasium und seiner Leiterin Angelika Gröneveld-Olthoff sowie der Anti-Rassismus AG. Neunte und zehnte Klassen der Realschule plus sowie die zehnten Klassen des Kuseler Gymnasiums werden laut Dein im Unterricht auf die Veranstaltung vorbereitet. Eingeladen würden auch Schulen im gesamten Landkreis. Selbstverständlich sei das Konzert öffentlich, erklärt Dein, dass auch Besucher außerhalb von Schulgemeinschaften willkommen sind.  Microphone Mafia wurde 1989 in Köln gegründet. Die Band entwickelte sich rasch zu einem musikalischen Aushängeschild im Kampf gegen Rassismus und rechte Gewalt. Mit ihrer heutigen Zusammensetzung – drei Generationen, drei Nationen und drei Religionen stehen gemeinsam auf der Bühne – will sie ein Beispiel für das Miteinander unterschiedlicher Kulturen geben. Bei der „einzigen Mafia, die die Welt braucht“ – so betitelt sich die Band selbst –, steht auch Esther Bejaranos Sohn Joram mit auf der Bühne. Das Programm beinhaltet unter anderem Musik aus dem jüdischen Widerstand sowie pazifistische Lieder. Sie werden als Rap neu interpretiert.  „Eigentlich ist Rap eher nicht meine Musikrichtung“, verrät Dein im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Was ihm dennoch an dem Programm gefällt, ist die Botschaft. Denn in Zeiten, in denen Deutschland über „Flüchtlingsströme“ diskutiert, hat der Auftritt von Microphone Mafia laut Dein einen ganz aktuellen Bezug – gerade in Kusel, das wahrscheinlich im kommenden Jahr Flüchtlinge in der ehemaligen Kaserne aufnehmen wird.  Das Konzert findet am Donnerstag, 21. Mai, um 20 Uhr in der Fritz-Wunderlich-Halle in Kusel statt. Eintrittskarten sind in den Sekretariaten der Realschule plus unter Telefon 06381 9969970, und des Gymnasiums in Kusel, Telefon 06381 92300, sowie an der Abendkasse für zwei Euro (Schüler) und für vier Euro (Erwachsene) erhältlich.