Studienfahrt in das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, Förderverein der Realschule Plus Lauterecken-Wolfstein + FOS e.V.

Projektträger: Förderverein der Realschule Plus Lauterecken-Wolfstein + FOS e.V.

Kurzbeschreibung: In der heutigen Zeit ist es so, dass in Europa, in Deutschland und auch im Landkreis Kusel eine latente Fremdenfeindlichkeit und ebenso rechtes Gedankengut vorhanden sind.

Die dreitägige Studienfahrt findet im November 2017 statt. Aufgrund der letztjährigen Erfahrungswerte wird die Teilnehmerzahl bei ca. 30 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 14 und 17 Jahren liegen. Betreut wird die Projektgruppe von vier Lehrkräften/Teamern. Der genaue Zeitraum steht aktuell noch nicht fest.

In verschiedenen thematischen Einheiten wird versucht über das Vergangene aufzuklären. Gemeinsam werden die historischen Geschehnisse in Zusammenhang gestellt und ein abschließender Blick auf das Heute geworfen. Durch den Besuch des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof soll diese Ziel erreicht werden. In den thematischen Einheiten wird auf Methodenvielfalt geachtet. Von Einzelarbeit über Kleingruppenarbeit bis hin zum Plenum tauschen sich die Jugendlichen über das Thema aus.

Die Eindrücke und Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgt in gemeinsamen Gesprächsrunden mit einfacher Sprache. Emotionale Befindlichkeiten der Jugendlichen sollen in selbstgemalten Bildern anschaulich zum Ausdruck gebracht werden. Die Gesamtauswertung wird sowohl schriftlich als auch verbal durchgeführt.

Bericht zur Studienfahrt

Struthof. Am frühen Morgen des 6. November 2017 begaben sich 29 Schülerinnen und Schüler der Realschule Plus Lauterecken-Wolfstein auf eine politische Bildungsfahrt in das französische Elsass-Lothringen, um das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof zu besuchen. Begleitet und betreut wurden sie von den Lehrern der Realschule Plus Lauterecken-Wolfstein Frau Katrin Schlosser, Herrn Michael Schwarz und dem Schulsozialarbeiter Herrn Björn Albrecht.

Sämtliche Schüler nahmen innerhalb des Projektes freiwillig an dem Ausflug in die Vergangenheit des Nationalsozialistischen Deutschlands teil, in der Menschenrechte keine Gültigkeit hatten. Menschen wurden von den Nationalsozialisten aufgrund ihrer Abstammung, politischen Gesinnung und Religion verfolgt und grausam umgebracht.

Viele der Schüler hatten noch nie eine Gedenkstätte oder ein Mahnmal aus der Zeit des Nationalsozialismus besucht.
Daher überwog ein etwas nachdenkliches, aber auch neugieriges Gefühl in Erwartung der kommenden drei Tage. Nach einer gut drei stündigen Busfahrt wurde das Hotel in Mutzig im Elsass erreicht. Nach dem Mittagessen fuhr der Tross per Bus zum Konzentrationslager Natzweiler-Struthof.

Vom Lager aus ging es zu Fuß zum Steinbruch, in dem während des Lagerbetriebs von den Häftlingen harte Zwangsarbeit verrichtet wurde. Im Anschluss ging es, bei widrigen Wetterbedingungen, zu Fuß zum Bus zurück, der am Bahnhof in Rothau wartete: ein vierstündiger Marsch durch den Wald bei Nebel und Regen wurde gemeistert, einige Schüler fühlten sich an die Strapazen der Häftlinge  erinnert. Stolz auf die erbrachte Leistung war der Tag noch nicht zu Ende.

Im Hotel angekommen, wurden die Schüler in Kleingruppen eingeteilt. Jede Gruppe hatte die Aufgabe ein Referat zu markanten Orten des Konzentrationslagers vorzubereiten, um die Mitschüler am Folgetag über diese zu informieren. Zum Abschluss des Tages wurde gemeinsam der mehrfach ausgezeichnete und für solche Studienfahrten empfohlene Film „Flucht aus Sobibor“ angeschaut.

Die Schüler bekamen so einen ungefähren Eindruck vom unmenschlichen Dasein der Häftlinge in einem Konzentrationslager. Am zweiten Tag wurde das KZ Natzweiler-Struthof besucht. Die Schüler trugen gruppenweise ihre Berichte vor. Begleitet und unterstützt wurden sie vom Betreuerteam. Dabei lernten die Schüler
unter anderem die Todesschlucht, den Appellplatz mit Galgen, das Krematorium, die Aschengrube und die medizinische Versuchsanlage kennen. Ebenfalls besucht wurden der Zellenblock und die experimentelle Gaskammer, in der viele Menschen grausam ihrem Ende zugeführt wurden.
Abgerundet wurde das Programm durch die Besuche des Lager-Museums und des sogenannten „Kartoffelkellers“, einem unterirdischen Bau, der mutmaßlich der SS als Folterkammer diente. Bis heute weiß niemand genau, was sich in den Gewölben tief unter der Erde in dieser Zeit abspielte...

Am Abend wurde das Erlebte pädagogisch aufgefangen und aufgearbeitet. Dabei zeigte sich, dass viele Schüler schockiert vom damaligen Geschehen waren und auch die Zeit nutzten, um mit den Pädagogen und Mitschülern über das Thema zu diskutieren.

Zum Schluss wurde gemeinsam das Filmdrama „Der Junge im gestreiften Pyjama“ an geschaut, in dem sich der Sohn eines Lagerkommandanten mit einem jüdischen Jungen in einem Vernichtungslager anfreundet und dies mit seinem Leben bezahlt.

Abschließend wurde eine thematische Einheit in Form einer Befindlichkeitsabfrage und Rückmeldeeinheit angeboten. Die Schüler konnten so ein Feedback zur Fahrt geben und auch das Erlebte aufarbeiten, das sie in den Tagen der Fahrt beschäftigt hatte. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem  Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ und dem Förderverein der Realschule Plus Lauterecken-Wolfstein für die Finanzierung der Bildungsfahrt. Ebenfalls bedanken möchten wir uns auch bei unserem Busfahrer Markus, der uns wieder einmal gesund und unversehrt zurück nach Wolfstein brachte. Am Samstag, dem 11. November wurde zum Tag der offenen Tür am Standort Lauterecken eine Ausstellung zur Natzweiler-Struthof-Fahrt gezeigt. Die teilnehmenden Schüler erklärten den Besuchern ihre Eindrücke: über selbstgemalte Kunstwerke bis hin zu einer Diashow wurde alles geboten. Hier wurde bei vielen Menschen Interesse geweckt, die teilweise – so gestanden sie ein – keine Kenntnis von dem Konzentrationslager unweit unserer Heimat hatten. Das Fazit der Reise in die nationalsozialistische Vergangenheit: Auch in Zeiten, in denen in Europa und der Welt immer noch Unrecht herrscht und auch noch Lager stehen, die unfassbares Grauen bedeuten, sollte die folgende Aufforderung an alle Nationen und deren Staatsoberhäupter gelten: „Wehret den Anfängen – nie wieder!“.

(Quelle: http://www.rs-plus.de/images/Aktuelles_aus_der_Schule/Artikel_Natzweiler_2017.pdf )